
Traditionelles Training
Selbst nach Jahrhunderten bleibt das Training im Katori Shintō-ryū Kenjutsu den traditionellen Methoden der alten Bushi treu. Der Begriff „Bushi“ umfasst allgemein die Kriegerklasse, zu der auch Samurai und andere aristokratische Ränge gehören. Für diese Krieger war das rigorose tägliche Training nicht nur eine Disziplin, sondern eine Lebensweise. Im Mittelpunkt ihrer Praxis stand das Omote, die grundlegenden Techniken. Dieses Training, das häufig drei bis vier Jahre in Anspruch nahm, erforderte höchste Präzision und Sorgfalt, selbst bei den kleinsten Details. Durch das intensive Üben von Omote verfeinerten die Bushi ihre Waffenkünste, folgten strengen Richtlinien ihrer Tradition und legten das Fundament für ihre fortgeschrittenen Fähigkeiten.

Die Bedeutung der Kata
Historisch gesehen war das Training der bushi streng strukturiert und basierte auf einem wesentlichen Werkzeug: der Kata – vorab festgelegte Bewegungsabläufe, die das Training leiteten und fokussierten. Kata sind und bleiben das Fundament aller bujutsu-Trainingsformen. Sie ermöglichten es den Kriegern, Kampftechniken sicher zu üben und Verletzungen oder Schlimmeres zu vermeiden. Auch heute ist diese Methode unverzichtbar. Im Katori Shintō-ryū sind die Kata besonders lang, was nicht nur die Ausdauer fördert, sondern auch den Körper kräftigt. Die Kata werden über Jahre, ja Jahrzehnte hinweg tausende Male wiederholt, bis sie nahezu automatisiert und fast unbewusst ausgeführt werden können. Diese tiefgreifende Beherrschung erlaubt es einem Praktizierenden, die Kata mit großer Präzision auszuführen, selbst wenn der Geist mit anderen Gedanken beschäftigt ist. Im Kampf ermöglicht diese Fähigkeit dem Körper eine instinktive Reaktion, während gleichzeitig die Umgebung, andere Gegner und externe Faktoren wie die Position der Sonne beurteilt werden. Dieses Prinzip gilt universell für alle Kampfkünste.

Im Kata-Training, sei es mit Schwert (kenjutsu), Langstab (bō), Lanze (naginata), oder anderen Waffen, schreibt Katori Shintō-ryū nicht strikt die genaue Positionierung von Armen oder Beinen vor. Stattdessen liegt der Schwerpunkt darauf, dem Körper zu erlauben, sein natürliches Gleichgewicht zu finden. Die Philosophie hinter diesem Ansatz ist, dass der Körper jedes Praktizierenden von selbst die effektivste Haltung für Stabilität und Kontrolle einnimmt. Dieser Fokus auf natürliche Bewegung ist ein zentrales Prinzip der Kunst.
Alle Schüler des Katori Shintō-ryū beginnen ihren Weg durch das Curriculum mit den grundlegenden Kata von omote no tachi und omote iaijutsu. Mit fortschreitender Praxis gelangen sie zu tachiai battōjutsu, omote no bōjutsu, und omote no naginata. Diese anfängliche Ausbildung legt das Fundament für fortgeschrittene Techniken, bekannt als Okuden oder geheime Lehren, die Präzision und Fertigkeit verbessern. Diese tiefergehenden Lehren verfeinern nicht nur die Technik des Praktizierenden, sondern stärken auch das Selbstvertrauen durch die Entwicklung schneller Reflexe, die im Kampf unerlässlich sind.
Die Rolle hölzerner Waffen
Um die Sicherheit zu gewährleisten, üben wir Paar-Kata mit Holzwaffen, die typischerweise aus Harthölzern wie japanischer Eiche gefertigt sind. Metallwaffen kommen in der Regel nur beim Einzeltraining zum Einsatz. Der tägliche Gebrauch von Metallwaffen im Paartraining könnte dazu führen, dass sie brechen, abplatzen oder beschädigt werden, während Holzwaffen haltbarer und kostengünstiger zu ersetzen sind. Trotz ihrer Funktion als Ersatz haben Holzwaffen ihre eigenen Vorteile im Kampf und können in bestimmten Situationen sogar überlegen sein.

Die Kunst des gepanzerten Kampfes
IIm Tenshinshō-den Katori Shintō-ryū sind alle Omote-Kata speziell für das Training im Rüstungs-Kampf entwickelt. Daher ist das Training in Yoroi (traditioneller japanischer Rüstung) eine grundlegende Praxis, die dem Training eine zusätzliche Komplexität und Realitätsnähe verleiht. Es ist wichtig zu verstehen, wie man Angriffe ausweicht, schneidet und abwehrt, während man das Gewicht und die Einschränkungen der Rüstung berücksichtigt. Bewegungen in Rüstung unterscheiden sich leicht von denen ohne, aufgrund der Einschränkungen durch die Rüstung. Beispielsweise neigen sich die Stellungen beim Training ohne Rüstung dazu, niedriger zu sein. Das Training in Yoroi kann körperlich anspruchsvoll sein, aber diese Herausforderungen führen zu stärkeren Stellungen, ausgeprägteren Bewegungen und einem erhöhten Fokus auf die Ausdauer.

Doch das Training geht über die Kampftechniken hinaus; es umfasst auch das Verständnis für die praktischen Aspekte der Yoroi, wie das korrekte Anlegen und Pflegen der Rüstung. Den Schülern wird die richtige Reihenfolge des Ankleidens beigebracht, ebenso wie die spezifischen Knoten zur Sicherung der Rüstung und das Gleichgewicht zwischen Schutz und Beweglichkeit.

Die Vorteile des Trainings in Yoroi sind sofort erkennbar. Es fördert nicht nur die körperliche Stärke und Ausdauer, sondern vertieft auch das Verständnis der Schüler für die historische und kulturelle Bedeutung der Rüstung. Darüber hinaus kann die Yoroi offensiv eingesetzt werden. Techniken wie Schulterstöße und der gezielte Einsatz des Helms zeigen, wie die Rüstung selbst zur Waffe wird.